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Die letzte Schicht der Bierschicht. Schonnebecks vergangene Bergmannskneipen

In dieser Folge widmet sich Ashley Bastian dem PhĂ€nomen der Bergarbeiterkneipe und nimmt uns mit nach Essen-Schonnebeck. Basierend auf Zeitungsartikeln, einer Familiengeschichte und einem Interview mit der ortsansĂ€ssigen Kneipenbesitzerin Anja spĂŒrt Bastian der Frage nach, was es mit Bergarbeiterkneipen im 20. Jahrhundert auf sich hatte - und ob es sie heute noch gibt.

Autor*innen:

  • Ashley Bastian

Adresse des AKTIV-Ortes:

Auf der Reihe 2, 45327 Essen
[0:00:14–0:00:59]

BegrĂŒĂŸung

Henning Schmitt:

GlĂŒck auf geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer. Mein Name ist Henning Schmitt und ich werde in dieser Episode die Ehre haben sie mitzunehmen auf eine Reise in Essens Bezirk VI. Der Bezirk VI, auch bekannt als Bezirk Zollverein, besteht aus den Ortsteilen Stoppenberg, Katernberg und Schonnebeck. Im Bezirk VI liegt der Fokus der heutigen Folge auf Schonnebeck und insbesondere der Huestraße. Den alten Bergarbeiterkneipen Schonnebecks wird auf die Spur gegangen und es wird untersucht wie sie sich verĂ€ndert haben und wo sie hin sind. Ashley Bastian, der Autor dieser Episode, wird eine Gedankenreise durch Schonnebeck leiten. Diese Reise beginnt an der Bushaltestelle Karl-Meyer-Platz, direkt auf der Huestraße.

[0:00:59–0:03:06]

Willkommen in Schonnebeck

Ashley Bastian:

Hallo! Willkommen in Schonnebeck! Schön, dass du es hierhergefunden hast. Ich freue mich auch sehr darĂŒber, dass du die Zuhörerinnen und Zuhörer mitgebracht hast!

 

Henning Schmitt:

Vielen lieben Dank! Ashley, warum befinden wir uns in Schonnebeck? Was hat Schonnebeck mit der Montangeschichte zu tun?

 

Ashley Bastian:

1882 wurde der Schacht 3 auf der Zeche Zollverein in Betrieb genommen. FĂŒr Zollverein und Schonnebeck hieß das, dass viele Menschen fĂŒr Arbeit in die NĂ€he der Zeche ziehen wollten und dies auch taten. Die Zeche ließ HĂ€user im zeitĂŒblichen Kreuzstil in der NĂ€he der SchĂ€chte bauen. Viele dieser HĂ€user waren so konzipiert, dass jede der bis zu vier Mietsparteien durch ihren eigenen Eingang das Haus betreten konnte und von den anderen Mietsparteien beinahe vollkommen isoliert war. So stark sogar, dass der Architekt Oscar Spetzler in der Zeitschrift fĂŒr Baukunde schon 1879 davon sprach, dass es „charakteristisch fĂŒr die Anlage ist, dass die verschiedenen Bewohner nicht in BerĂŒhrung miteinander kommen“.

 

Henning Schmitt:

Wenn die Mietenden so stark isoliert wurden, warum wĂŒrde man ĂŒberhaupt dort wohnen wollen?

 

Ashley Bastian:

Weil der Mietvertrag an die Arbeit gebunden war und in vielen FĂ€llen auch umgekehrt. Wer solch eine Wohnung mieten wollte, musste auf der Zeche arbeiten und wer auf der Zeche arbeitete wohnte in einer Wohnung, die der Zeche gehörte. Im Mietvertrag stand auch drin, dass eine ArbeitskĂŒndigung ebenfalls das MietsverhĂ€ltnis kĂŒndige und auch Treffen mit Personen, die nicht der Familie angehörten, in den Mietswohnungen nicht erlaubt waren.

 

Henning Schmitt:

Also wohnten in diesen isolierenden Wohnungen die Bergarbeiter mit ihren Familien? Die Bergarbeiter hatten also nur die Möglichkeiten sich auf der Straße untereinander in ihrer Freizeit zu treffen, weil zuhause nur die Familie erlaubt war?

 

Ashley Bastian:

Das stimmt so, wenn es nicht die Kneipen gegeben hÀtte. Auf dem Weg zwischen dem ZechengelÀnde und den Zechenwohnungen lagen viele Kneipen, in denen Bergarbeiter sich nach ihrer Schicht niederlassen konnten und mit den Kollegen bzw. den Kumpels Zeit verbringen konnten, wenn sie keine Angehörigen in ihrer Wohnung hatten oder mal keine Zeit mit diesen verbringen wollten.

 

Henning Schmitt:

Wo waren denn die Kneipen in Schonnebeck?

 

Ashley Bastian:

Unter anderem direkt hier an dieser Kreuzung.

[0:03:06–0:05:44]

Die Kneipe von Franz Drees

Henning Schmitt:

Der Weg fĂŒhrt von der Huestraße nach Norden, an eine Kreuzung inmitten Schonnebecks. Auf der Kreuzung ist eine dreieckige GrĂŒnflĂ€che auf der zwei BĂ€ume stehen. Die Straßenschilder lassen einen wissen, dass es links in die Gareisstraße geht und rechts „Auf die Reihe“. Direkt hinter einem befindet sich ein Eckkiosk. Ein paar Schritte weiter nach rechts sind alt aussehende Fenster eines weißen Hauses zu erkennen. Das Haus ist mit der Hausnummer zwei gekennzeichnet. Dieses Haus ist eine der Kneipen?

 

Ashley Bastian:

In diesem Haus war die Kneipe von Franz Drees. Ich konnte Zeitungsartikel finden, die bis zum Anfang des Jahres 1902 zurĂŒckgehen und ĂŒber Franz Drees und sein Gasthaus geschrieben hatten. Hier konnte getrunken, getanzt, gelacht und sich ĂŒber die Arbeit ausgetauscht werden. Kneipen dieser Art dienten in Schonnebeck aber auch als Versammlungsorte fĂŒr verschiedenste Arbeitergruppen, unter anderem auch fĂŒr die BergmĂ€nner. Im sogenannten Saal der Kneipe von Franz Drees trafen sich beispielsweise ab 1902 auch explizit die Schonnebecker Handwerker.

 

Henning Schmitt:

Und die Bergarbeiter? Trafen die sich auch hier?

 

Ashley Bastian:

Ob die Bergarbeiter schon in den 1900ern sich explizit hier versammelt haben, kann ich nicht nachweisen. Nachweisen kann ich nur, dass Franz Drees bis zu seinem Tod 1906 im Gemeinderat Schonnebecks an der Seite vieler BergmĂ€nner gearbeitet hat. Ich gehe demnach davon aus, dass sich in seinem Lokal auch die an Politik interessierten BergmĂ€nner zusammenfanden und lokale Themen diskutierten. Ich kann allerdings keine handfesten Beweise liefern, dass dies definitiv der Fall war. Sie hĂ€tten auch genauso gut ĂŒber alle anderen Themen philosophieren können.

 

Henning Schmitt:

Und was passierte nach dem Tod von Franz Drees? Musste das Lokal schließen und die Bergarbeiter haben sich dann einfach eine andere Kneipe ausgesucht, um die Zeit zu verbringen oder wurde die Kneipe von jemand anderem gefĂŒhrt?

 

Ashley Bastian:

Der neue Wirt der Kneipe wurde Franz Drees!

 

Henning Schmitt:

Wie bitte? Ich dachte der alte Wirt war Franz Drees?

 

Ashley Bastian:

Das stimmt so auch. Der alte Wirt war Franz Drees und der neue Wirt der Kneipe Drees wurde sein Sohn, der ebenfalls Franz Drees hieß.

 

Henning Schmitt:

Das sind mir zu viele Franz Drees. Was passierte, nachdem der erste Franz Drees verstarb und sein Sohn die Kneipe ĂŒbernahm?

 

Ashley Bastian:

Der Sohn fĂŒhrte die Kneipe weiter. Im sogenannten Saal der Kneipe konnten die Bewohner Schonnebecks Filme im „Germaniatheater“, einem winzigen Kino schauen. Zumindest konnten sie dies tun bis 1911. 1911 fing die Kneipe Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder.

[0:05:44–0:09:33]

Bergmannskneipen und ihre Besucher nach dem ersten Weltkrieg

Henning Schmitt:

Die Kneipe von Franz Drees brannte 1911 ab. 1914 folgten vier Jahre des Ersten Weltkrieges und die BergmĂ€nner wurden mehr gefordert denn je. Deutschland verlor den Krieg. An die Stelle des Kaiserreiches rĂŒckte die Weimarer Republik und damit auch neue Gesetze, welche die alten ablösten.

 

Ashley Bastian:

Ab dem 21. Januar 1920 verĂ€nderten sich die Rechtsbedingungen fĂŒr MietsverhĂ€ltnisse in Zechenkolonien. Werkswohnungen sollten nicht mehr so gebaut werden, wie sie vor dem Krieg gebaut wurden und der Arbeitsvertrag war nicht mehr mit dem Mietsvertrag automatisch gekoppelt.

 

Henning Schmitt:

Dann waren also nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur exklusiv BergmÀnner und deren Angehörige in den WohnhÀusern der Zeche, sondern auch andere konnten dort unterkommen. VerdrÀngten neue Bewohner und Bewohnerinnen die Bergarbeiter dann aus den Bergarbeiterkneipen?

 

Ashley Bastian:

Der Prozess passierte ja nicht ruckartig. Die Kneipe Drees, nachdem sie von ihrem Inhaber Franz Drees II. wieder aufgebaut und neu eingerichtet wurde, zĂ€hlte weiterhin BergmĂ€nner zu ihren Kunden. In der Ausgabe der Essener Arbeiter-Zeitung vom 11. November 1920 ließ sogar der Bergarbeiterverband melden, dass sĂ€mtliche BergmĂ€nner fĂŒr ein großes Treffen in Drees Kneipe zu erscheinen hatten. Ich rede ĂŒbrigens bewusst die ganze Zeit ĂŒber spezifisch MĂ€nner.

 

Henning Schmitt:

Das ist mir auch schon aufgefallen. Haben Frauen nichts mit der Bergarbeiterkneipengeschichte zu tun oder vergisst du sie bewusst?

 

Ashley Bastian:

Frauen haben definitiv die Bergarbeiterkneipen und Kneipen allgemein beeinflusst. Oftmals an der Seite ihrer EhemĂ€nner waren sie Wirtinnen und betrieben die Kneipen mit den MĂ€nnern gemeinsam. Franz Drees II. betrieb seine Kneipe gemeinsam mit seiner Frau und gestaltete die Kneipe gemeinsam mit ihr auch um. Frauen waren allerdings nicht ĂŒblicherweise GĂ€ste in Bergmannskneipen. Sie sorgten dafĂŒr, dass die BergmĂ€nner es sich ĂŒberhaupt leisten konnten, in die Kneipe zu gehen. Beispielhaft dafĂŒr ist ein Text des Geschichtskreis Beißens. Der Beitrag ĂŒberliefert die Geschichte von Hubertine Cieslak, die sich als Hausfrau in der Zechenkolonie Beisen, welche östlich vom Schacht 3 der Zeche Zollverein liegt, um die hĂ€uslichen Angelegenheiten sorgte. In ihrer Beschreibung des Frauenalltags nach dem Ersten Weltkrieg erzĂ€hlte sie davon, dass, wĂ€hrend der Mann auf der Arbeit war oder in seiner Freizeit anderen Dingen nachging, die Frau zuhause blieb und schon frĂŒh morgens das Feuer fĂŒr den KĂŒchenherd entfachte und FrĂŒhstĂŒck zubereitete. Im Verlauf des Tages mussten noch Garten, Kinder und wenn vorhanden Kleinvieh versorgt werden, mehrere Mahlzeiten gekocht werden, WĂ€sche von Hand gereinigt und repariert werden, die Wohnung geputzt und je nach Saison der Garten gesĂ€t oder gejĂ€htet werden. Frauen sind nur zu notwendigen AnlĂ€ssen, wie dem Kirchenbesuch oder der Teilnahme an Familien- und Vereinsfeiern aus der Wohnung gekommen.

 

Henning Schmitt:

Den Frauen sei Dank konnten die BergmĂ€nner also ĂŒberhaupt erst in ihre Kneipen gehen?

 

Ashley Bastian:

Den Frauen und den WirtshÀusern selbst sei Dank.

 

Henning Schmitt:

Da fÀllt mir ein, was war mit denjenigen die nicht unbedingt eine Familie in der Zechenkolonie hatten? Zum Beispiel auslÀndische Arbeiter?

 

Ashley Bastian:

Zu auslĂ€ndischen Arbeitern konnte ich einen Artikel der Essener Volkszeitung von 1907 finden, der beschreibt, dass es nicht genĂŒgend BauhĂ€user fĂŒr alle Personen, insbesondere italienische Arbeiter, gab. Wegen des Mangels an BauhĂ€usern nĂ€chtigten einige von ihnen auf freier Straße, worĂŒber sich die Einwohnenden Schonnebecks beschwerten. Ich gehe davon aus, dass diese ebenfalls die Kneipen vor Ort besuchten, um dort WĂ€rme und Kameradschaft zu suchen und um zu trinken. FĂŒr ortsfremde Arbeiter, war dies recht ĂŒblich. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass dies zu verschiedensten Zeitpunkten in Schonnebecks Geschichte fĂŒr verschiedene Gruppen Ă€hnlich war. Ich kann aber nicht lĂŒckenlos belegen, dass dies fĂŒr auslĂ€ndische Bergarbeiter garantiert der Fall war.

[0:09:33–0:12:50]

Schonnebeck und seine Kneipen nach dem Zweiten Weltkrieg

Henning Schmitt:

Was passierte mit Schonnebeck nach dem 2. Weltkrieg? Sah der Ortsteil immer schon so aus oder gab es große VerĂ€nderungen, auch im Kneipenleben?

 

Ashley Bastian:

Schonnebeck hat sich natĂŒrlich nach den zwei Weltkriegen verĂ€ndert. Schonnebeck wurde von einigen Bomben im zweiten Weltkrieg getroffen. Auch die Straße Auf der Reihe wurde getroffen und Franz Drees Kneipe wurde zerstört. WĂ€hrend die erneut neu aufgebaute Kneipe zwar schon 1949 wieder das Sommerfest des Sportvereins Schonnebeck beherbergen konnte, war die Wohnsituation in Schonnebeck weiterhin schlecht. Dies Ă€nderte sich erst mit der ECA-Siedlung 1952.

 

Henning Schmitt:

Von der ECA-Siedlung habe ich schonmal gehört. Die Economic Cooperation Administration war Teil des Marshall Plans nach dem 2. Weltkrieg, richtig?

 

Ashley Bastian:

Richtig. Die ECA stellte Schonnebeck 10 Millionen Mark fĂŒr neue HĂ€user zur VerfĂŒgung. Mit diesem Geld wurden in 22 Monaten 492 Eigenheime östlich der Huestraße gebaut. Mit dieser neuen Siedlung kam auch neue Konkurrenz fĂŒr die Kneipe auf.

 

Henning Schmitt:

Wieso das denn? Normalerweise bedeuten doch mehr Personen in der Umgebung mehr Menschen, die in Kneipen gehen können. Sicherlich waren auch einige von ihnen Bergarbeiter mit Familie, die dann auch die Bergarbeiterkneipen besuchten.

 

Ashley Bastian:

Inwiefern Bergarbeiter in der neugebauten Siedlung untergekommen sind, kann ich nicht sagen, allerdings ist dein erster Gedanke gar nicht schlecht. Es lebten deutlich mehr Personen in Schonnebeck als noch zu Beginn des Jahrhunderts, als die Bergarbeiterkneipen die Zentren sozialen Handelns fĂŒr BergmĂ€nner in der Freizeit waren. Jedoch entstanden innerhalb dieser Siedlung besonders viele Verkaufsstellen fĂŒr Bier und Sprudelwasser.

 

Henning Schmitt:

Einfach, weil es so leicht war Kunden abzugreifen?

 

Ashley Bastian:

Einerseits wegen der leichten Erreichbarkeit der Kunden und andererseits, weil ein Nebenjob fĂŒr die Miete unbedingt nötig war. Anfang der 50er soll die Miete zwischen 89 und 114 D-Mark in der Siedlung gelegen haben. Eine normale Miete lag bei 35 bis 42 Mark.

 

Henning Schmitt:

Und wie reagierten die Kneipen darauf?

 

Ashley Bastian:

Wie alle Kneipen darauf reagierten, kann ich dir nicht sagen. Die einstige Bergmannskneipe von Franz Drees war spĂ€testens in den frĂŒhen 60ern keine Kneipe mehr, sondern ließ sich als „Bierhaus“ betiteln.

 

Henning Schmitt:

Und worin liegt jetzt der große Unterschied zwischen einem Bierhaus und einer Bergmannskneipe? Er wird nicht das GeschĂ€ft vollkommen gewechselt haben.

 

Ashley Bastian:

Das GeschĂ€ft hat er nicht vollkommen gewechselt. Sein Bierhaus war weiterhin ein Ort fĂŒr soziale Interaktionen jeglicher Art, nur wuchs das Publikum. Es waren nicht mehr nur spezifisch BergmĂ€nner und andere Arbeiter, sondern es wurde das Zentrum des ganzen kulturellen Lebens Schonnebecks. Es wĂ€re falsch davon zu sprechen, ein Lokal eine Bergmannskneipe zu bezeichnen, wenn große Teile des Stadtteils einkehren. Ich schlage die Formulierung „Lokal in bergmĂ€nnischer Tradition“ vor. Aber dies hielt auch nur bis in die frĂŒhen Siebziger.

 

Henning Schmitt:

Was passierte denn in den frĂŒhen 70ern?

 

Ashley Bastian:

Nun, Franz Drees II. ĂŒbergab sein Lokal 1966 seinem Sohn Franz Drees III. und verstarb 1968. Franz Drees III. verĂ€nderte das Lokal Drees vollkommen.

[0:12:50–0:14:38]

Interview mit Anja Davidheimann von Anjas Treff

Ashley Bastian:

Also wenn ich in Schonnebeck noch weitersuchen wĂŒrde, wĂŒrde ich auf keine Bergmannskneipen mehr stoßen.

 

O-Ton Anja Davidheimann:

Nein.

 

Ashley Bastian:

Da Bergarbeiterkneipen aber bis heute noch nicht eindeutig definiert sind, habe ich sie ebenfalls gefragt, was eine Kneipe denn haben mĂŒsse, um eine Bergarbeiterkneipe zu sein.

FĂŒr den Abschluss habe ich noch die Frage was fĂŒr dich persönlich eine Bergmannskneipe oder eine Bergarbeiterkneipe bedeuten wĂŒrde. Was muss dort vor Ort sein, damit es eine Bergmannskneipe ist.

 

O-Ton Anja Davidheimann:

Es mĂŒsste Deko da sein. Wahrscheinlich noch diese gestreiften Hemden.

 

Ashley Bastian:

WĂŒrden auch die Besuchenden die Kneipe ausmachen, also mĂŒssten BergmĂ€nner in der Bergmannskneipe sein oder gibt es auch eine Kneipe ohne BergmĂ€nner?

 

O-Ton Anja Davidheimann:

Ich finde dort mĂŒssten dann auch welche verkehren.

 

Ashley Bastian:

Ich verstehe ihre Aussage so, dass es in Bergarbeiterkneipen unbedingt ein NostalgiegefĂŒhl fĂŒr Zeiten der Bergarbeit geben muss. Ich bin mir sicher, dass ihre Vorstellung von der Einrichtung einer Bergmannskneipe nicht mit der Einrichtung einer Bergmannskneipe vom Anfang des letzten Jahrhunderts gleich ist. Damals war es viel eher eine Kneipe fĂŒr Arbeiter, wie die BergmĂ€nner es eben waren. Heute soll an Bergarbeit erinnert werden. Bergmannskneipen können Erinnerungsorte sein oder sollen zumindest an Facetten der Bergarbeit erinnern. Und die Kneipen in Schonnebeck sind heutzutage, um es mit Anjas Worten zu sagen


 

O-Ton Anja Davidheimann:

Ich wĂŒrde sagen, Kneipen fĂŒr jedermann.

[0:16:10–0:17:46]

Outro und Verabschiedung

Henning Schmitt:

Schonnebecks Kneipen haben eine Geschichte voller VerĂ€nderung. Von der einzigen Chance sich im Warmen mit den Kumpels nach Schichtende zu treffen und vom alltĂ€glichen Leben bis zur Vereinsarbeit und Politik ĂŒber alles sprechen zu können, ĂŒber ein Bierhaus fĂŒr alle und Verkaufsstellen in der ECA-Siedlung, hin zu einem kleinen, geschlossenen CafĂ© heute; Bergmannskneipen sind schon lange aus Schonnebeck fort. Ihr habt Ashley Bastians Folge „Die letzte Schicht der Bierschicht. Schonnebecks vergangene Bergmannskneipen“ gehört. In der kommenden Folge werden Luise Wehmeyer und Paula Wrede einen Blick in die Schattenwelt der Revierrelikte werfen. Im Geflecht von Bergbau, Macht und Moral befindet sich eine Bochumer Geschichte von Arbeitenden Frauen, großen Industriekonzernen und Kontrolle. Ich wĂŒnsche viel Spaß mit der nĂ€chsten Folge „Revierrelikte im Schatten: Bochums Rotlichtviertel im Kontext der Industrialisierung“.

Und wenn ihr ansonsten noch mehr mitbekommen wollt, dann schaut auf unserem Instagram-Kanal @aktiv_geschichte vorbei oder besucht unsere Webseite unter aktiv-geschichte.de.

Quellen

Le: Essener Personalien. Franz Drees, in: Neue Ruhr Zeitung 202 (1966), S. 10.

 

Le: Im Bierhaus alt geworden. Franz Drees feiert Montag in Schonnebeck den 80.

 

Geburtstag, in: Neue Ruhr Zeitung 204 (1962), S. 9.

 

Meyer, Carl: Gemeinderatswahlen, in: Essener neuste Nachrichten 241 (1906), S. 6.

 

Meyer, Carl: Amtliche Anzeigen. Gemeinderatswahl, in: Essener Volks-Zeitung 241 (1906), S. 6.

 

o.A.: Aus Essener Vereinen und VerbÀnden, in: Neue Ruhr Zeitung 137 (1973), S. 15.

 

o.A.: Provinzielles. in: Essener Volks-Zeitung 79 (1901), S. 2.

 

o.A.: Schonnebeck, in: Neue Ruhr Zeitung 106 (1949), S. 5.

 

o.A.: Schonnebeck. in: Essener neuste Nachrichten 108 (1902), S. 7.

 

o.A.: Schonnebeck. in: Essener Arbeiter-Zeitung 256 (1920), S. 3.

 

o.A.: Vereine und VerbÀnde. in: Neue Ruhr Zeitung 215 (1990), S. 26.

 

o.A: Wilhelmine Drees, in: Neue Ruhr Zeitung 237 (1986), S. 17.

Literatur

Greiner, Florian: Heimat Kneipe? Friedrich Ebert, GasthÀuser und Alkoholkonsum in der Arbeiterbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts, in: ders.; Motadel, David (Hgg.): Heimaten. RÀume kultureller Politikgeschichte, Berlin/Boston 2025, S. 29-46.

 

Großmann, Joachim: Wanderung durch Zollverein. Das Bergwerk und seine industrielle Landschaft, Essen 1999.

 

Heiser, Michaela: gegen das Kneipensterbem, in: Lokalzeit aus Düsseldorf (2025), URL: wdr.de/mediathek/gegendaskneipensterben102.html, abgerufen am: 19.03.2026.

 

Heying, Mareen: Vergangene Geselligkeit. Kneipen, GaststÀtten und Alltag, [unpubliziert].

Laermann, Klaus: Kommunikation an der Theke. Über einige Interaktionsformen in Kneipen und Bars, in: Hammerich, Kurt; Klein, Michael (Hgg.): Materialien zur Soziologie des Alltags (Kölner Zeitschriften für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 20), Köln 1987.

 

Rosenthal, Gabriele: „
wenn alles in Scherben fĂ€llt
“. Von Leben undSinnwelten der Kriegsgeneration, Opladen 1987.

 

Scherer, Katja: Kneipensterben. Wo die Theke noch Zukunft hat, in: WDR 5: Neugier genügt (2026), URL: wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier genuegt/featurekneipensterbenwodiethekenochzukunfthat100.html, abgerufen am: 19.03.2026.

 

Starzinger, Anneli: Kommunikationsraum Szenekneipe. AnnÀherung an ein Produkt der Erlebnisgesellschaft, Wiesbaden 2000.

 

Syré, Christiane: Industrielle Kulturlandschaft Zollverein, 2. Ausgabe, Essen 2010.

Credits

Website: ⁠AKTIV die Folgen des Ruhrbergbaus aufarbeiten⁠⁠

Instagram: ⁠@aktiv_geschichte⁠

Projektleitung: ⁠Jana Lena JĂŒnger⁠⁠ & ⁠⁠Dr. Stefan Zeppenfeld⁠⁠

Arbeitsbereich ⁠Didaktik der Geschichte & Public History⁠ des Historischen Instituts der Ruhr-UniversitÀt Bochum

Förderung: ⁠Stiftung Innovation in der Hochschullehre⁠

Produktion & Schnitt: Ashley Bastian

Grafikdesign: ⁠d-a-m-k BĂŒro fĂŒr Gestaltung⁠

Sprecherin: Isabelle Klein

Intro/Outro: Romantic Piano Intro Ident / BreakzStudios

Trenner: Advertising Logo / Universfield

Weitere Folgen

  • Cover Revierrelikte Staffel 1
    Pilotfolge. AKTIV stellt sich vor
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